{"id":334,"date":"2016-04-24T11:43:08","date_gmt":"2016-04-24T11:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/acmecke.de\/blog\/?p=334"},"modified":"2021-07-06T17:27:52","modified_gmt":"2021-07-06T17:27:52","slug":"auch-du-erinnerst-mich-an-jemanden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/acmecke.de\/blog\/serioes\/auch-du-erinnerst-mich-an-jemanden\/","title":{"rendered":"Auch du erinnerst mich an jemanden"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu Philippe Boesmans \u201eReigen\u201c in der Inszenierung von Nicola H\u00fcmpel<\/p>\n\n\n\n<h3>Das Ende<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Ende erwachen wir gemeinsam mit dem Grafen: verwirrt, verkatert, verloren. Wie Kopfschmerzen melden sich die Piccolofl\u00f6ten mit immer dem gleichen Vorhalt (Notenbeispiel 1). <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"233\" src=\"https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen1-1024x233.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-335\" srcset=\"https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen1-1024x233.gif 1024w, https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen1-300x68.gif 300w, https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen1-768x175.gif 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Beispiel 1) Partiturausschnitt aus Szene 10: Der Graf erwacht mit einem immer wieder auftauchenden bohrenden Vorhalt, hier in den Piccolofl\u00f6ten. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dazwischen Erinnerungsfetzen aus der Vergangenheit anderer: Die traurige Trompetenmelodie, die die Begegnung von s\u00fc\u00dfem M\u00e4del und Gatte begleitete, erhebt sich noch einmal in den Bratschen (Notenbeispiel 2). Das \u00bbLied der ewigen Liebe\u00ab, das in mehreren Szenen ein Miteinander versprach, das nie stattfand, klingt gr\u00fcbelnd in der Bassklarinette an. Sp\u00e4ter h\u00f6ren wir musikalische Motive des Ehepaars; und sogar der Bachchoral, der die wiedererwachte Potenz des jungen Manns triumphierend untermalte, lacht ersch\u00f6pft \u00fcber die Schlappheit des Grafen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"309\" src=\"https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen2-1-1024x309.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-340\" srcset=\"https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen2-1-1024x309.gif 1024w, https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen2-1-300x91.gif 300w, https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen2-1-768x232.gif 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Beispiel 2) Partiturausschnitt aus Szene 10: Ein Erwachen mit Reminiszenzen an fr\u00fchere Szenen. Diese Bratschenmelodie erklang in der 6. Szene in den ged\u00e4mpften Trompeten, die Melodie von Harfe und Celesta war in Szene 6 dem Saxophon zugeordnet (vgl. Beispiel 3) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber in der Benommenheit eines verkaterten Morgens ist das alles nicht leicht zu identifizieren: Die ged\u00e4mpften Trompeten, die mit Flatterzunge gespielten Fl\u00f6ten, die vielen Terzen, die brummend abst\u00fcrzende Bratschenmelodie \u2013 welche Paare brachten die noch gleich in den&nbsp;<em>Reigen<\/em>&nbsp;ein? Die Klangfarben und Motive der verschiedenen Begegnungen scheinen einander pl\u00f6tzlich alle zu \u00e4hneln, so wie sich im Verlauf des&nbsp;<em>Reigens<\/em>&nbsp;die Menschen und Situationen gleichen. Immer wieder stellen Figuren fest: \u00bbDu erinnerst mich an jemanden.\u00ab Kein Wunder, denn alle ergehen sich in den gleichen Floskeln, Entschuldigungen und Komplimenten. Sex ist eine Variation des immer Gleichen: Werben, V\u00f6geln, Weiterziehen. Konventionen und Reflexionen \u00fcberlagern den biologischen Trieb nur vordergr\u00fcndig, auch hier sind die Variationen beschr\u00e4nkt. Kaum jemand stellte die gleichf\u00f6rmige Mechanik des Geschlechtsverkehrs und seiner Vor- und Nachbereitungen so blo\u00df wie Arthur Schnitzler in seinem Theaterst\u00fcck von 1896\/97 \u2013 und doch konnte auch er nicht vom Sex lassen, gerade er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWarst du schon einmal hier?\u00ab Die Antwort auf diese Frage darf nicht \u00bbja\u00ab lauten, genauso wie auf \u00bbWie vielen haben Sie das schon gesagt?\u00ab nur die Antwort \u00bbniemandem\u00ab zul\u00e4ssig ist. Trotz der Gleichf\u00f6rmigkeit des Akts soll jede Begegnung einzigartig sein. Die Vorstellung, dass die gleichen Komplimente schon einer anderen galten, der gleiche Augenaufschlag schon an einen anderen gerichtet wurde, vielleicht sogar gewohnheitsm\u00e4\u00dfig eingesetzt wird, erscheint unertr\u00e4glich. Und so m\u00fcssen wir uns selbst und einander anl\u00fcgen, um die Routine der Biologie ertr\u00e4glich zu machen. \u00bbL\u00fcgnerinnen liebt man nicht\u00ab, erkl\u00e4rt der Gatte seiner Frau und l\u00fcgt sie damit an.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Paar im&nbsp;<em>Reigen<\/em>&nbsp;durchbricht diese Logik. Der Gatte und das s\u00fc\u00dfe M\u00e4del sind die vielleicht unwahrscheinlichsten Kandidaten f\u00fcr einen Moment der Aufrichtigkeit. Ihr Treffen bewegt sich in jenem Randbereich der Prostitution, in dem es dazugeh\u00f6rt, dass beide einander etwas vormachen: Er ihr, dass es ihm nicht um Sex ginge, und sie ihm, dass sie es nicht auf Geld, Essenseinladungen und Geschenke abgesehen h\u00e4tte. Ausgerechnet diese beiden Personen erz\u00e4hlen sich zumindest vage von ihrer Vergangenheit, und vor allem: Sie h\u00f6ren sich wenigstens einen Moment lang zu. Der Komponist Philippe Boesmans hat f\u00fcr dieses ungleiche Paar die sch\u00f6nste Musik geschrieben: Ein jazziges, unendlich trauriges Saxophonsolo, das von ged\u00e4mpften Trompeten beantwortet wird (Notenbeispiel 3).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"323\" src=\"https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen3-1024x323.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-337\" srcset=\"https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen3-1024x323.gif 1024w, https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen3-300x95.gif 300w, https:\/\/acmecke.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/reigen3-768x243.gif 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Beispiel 3) Partiturausschnitt aus Szene 6: Das \u00bbZusammensein des s\u00fc\u00dfen M\u00e4dels und des Gatten\u00ab wird von Saxophon und ged\u00e4mpften Trompeten begleitet. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3>Das Lied der ewigen Liebe<\/h3>\n\n\n\n<p>Arthur Schnitzler beschr\u00e4nkte sich in seinen zehn Szenen auf die Darstellung des \u00bbdavor\u00ab und \u00bbdanach\u00ab, den eigentlichen Geschlechtsverkehr deutete er nur mit Gedankenstrichen an. Der Komponist hingegen bekennt Farbe und schreibt f\u00fcr jedes Paar eine Musik des \u00bbZusammenseins\u00ab. Danach setzt der Dialog mit gesprochener Sprache ein, ern\u00fcchtert, entt\u00e4uscht und ersch\u00f6pft.<\/p>\n\n\n\n<p>Luc Bondy, der auch Regisseur der Opern-Urauff\u00fchrung 1993 war, verfasste das Libretto zu&nbsp;<em>Reigen<\/em>. Vor allem k\u00fcrzte er daf\u00fcr den Text von Schnitzler, und aus der Schauspielerin des Theaterst\u00fccks wurde eine S\u00e4ngerin. Aber Bondy f\u00fcgte auch einen entscheidenden Text hinzu: Das \u00bbLied der ewigen Liebe\u00ab, das auf dem Hohelied des Alten Testaments basiert. Boesmans macht einen ruhigen, s\u00fc\u00dfen und vor allem terzenreichen Gesang daraus. Diese Musik scheint stets die Utopie einer anderen, gelungeneren Begegnung zu verk\u00f6rpern. Er verbindet die meisten Figuren miteinander: Soldat und Stubenm\u00e4dchen h\u00f6ren diesen Gesang aus der Dunkelheit, der junge Herr und die junge Frau aus dem Nebenzimmer; in der Zusammenseins-Musik von Graf und S\u00e4ngerin klingt sie an, der Dichter tr\u00e4umt mit ihr von einem anderen Zusammensein mit dem s\u00fc\u00dfen M\u00e4del. Gesungen aber wird das \u00bbLied der ewigen Liebe\u00ab ausgerechnet von Dichter und S\u00e4ngerin, die sich eher zu einem Zweikampf als zum Liebesspiel treffen. So entlarvt Boesmans selbst das Gras auf der anderen Seite des H\u00fcgels als mager.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist bezeichnend f\u00fcr Boesmans\u2019 Komposition, wie er diesen Gesang einf\u00fchrt: Am Anfang steht die Dirne, die den Soldaten mit einer einfachen Verzierung, einer dreit\u00f6nigen Drehbewegung anlockt. Der Soldat macht sich dar\u00fcber lustig, indem er diese Figur nachahmt. Sp\u00e4ter erweist sich diese Verzierung als Teilst\u00fcck des \u00bbLieds der ewigen Liebe\u00ab. Ein anderes Teilst\u00fcck singt das Stubenm\u00e4dchen noch auf die Worte \u00bbEs ist so dunkel. Ich krieg Angst\u00ab, kurz bevor das andere Paar das Lied vervollst\u00e4ndigt. So entsteht zunehmend der Eindruck, alle Paare seien miteinander verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch an anderer Stelle geht die Oper deutlich \u00fcber das Theaterst\u00fcck hinaus: Bereits bei Schnitzler wandern Requisiten wie Kerzen, Zigarren und B\u00fccher durch mehrere Szenen, so wie sich Floskeln und Gespr\u00e4chsthemen wiederholen. Boesmans verbindet die Szenen und Paare zus\u00e4tzlich durch das \u00bbLied der ewigen Liebe\u00ab und kleinere musikalische Motive, Gesten und Kl\u00e4nge. Auch zus\u00e4tzliche Figuren und Auftritte f\u00fchrt der Komponist ein: So wandert die M\u00fccke, die den jungen Herren im Haus seiner Eltern bel\u00e4stigt, mit ihm in das Stundenhotel zur jungen Frau. Der Dichter ist beim Treffen der S\u00e4ngerin mit dem Grafen telefonisch anwesend \u2013 Philippe Boesmans l\u00e4sst ihn akustisch durch eine Posaune mit Wa-Wa-D\u00e4mpfer vertreten. Diese \u00bbEngf\u00fchrung\u00ab des Reigens intensiviert Nicola H\u00fcmpel in ihrer Stuttgarter Inszenierung weiter : Sie deutet durch Requisiten und vorbeilaufende Personen einen zweiten Reigen an, der versteckt vor uns abl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00bbMusik vom Zusammensein\u00ab ist nicht unbedingt der intensivste musikalische Moment einer Szene. So ist die Sehnsucht, die den jungen Herrn und das Stubenm\u00e4dchen \u00fcberf\u00e4llt, als sie ihm ein Glas Wasser holt, weit ekstatischer ausgestaltet als der kurze Geschlechtsverkehr. Hier vertonte Philippe Boesmans sogar lieber das Zusammensein zweier M\u00fccken, denen er ironischerweise auch noch das fragw\u00fcrdige Liebesduett aus Claudio Monteverdis&nbsp;<em>L\u2019 Incoronazione di Poppea<\/em>&nbsp;in den Mund oder besser in die Fl\u00fcgel legte. Die Sehnsucht aller Figuren ist erheblicher gr\u00f6\u00dfer als das, was ihr Gegen\u00fcber ihnen tats\u00e4chlich geben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Boesmans liebt die Ironie, den musikalischen Kommentar und zuweilen auch das direkte Zitat: Als der junge Herr im zweiten Anlauf endlich eine Erektion hat, kommentiert das Orchester diesen Erfolg mit dem Choral \u00bbWas Gott tut, das ist wohlgetan\u00ab mit schmetternden Trompeten. Und das nerv\u00f6se N\u00e4hmaschinen-Fugato, das bereits die aufgeregten Vorbereitungen des jungen Herrn begleitet hatte, entpuppt sich pl\u00f6tzlich als passende Begleitung f\u00fcr dieses Kirchenlied.<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Herr war es auch, der sich bereits mit dem verballhornten Salome-Zitat \u00bbMan t\u00f6te diese M\u00fccke\u00ab vorgestellt hatte. Die Ehepaar-Szene wird fast ausschlie\u00dflich von Streichern begleitet \u2013 aufgeteilt in zwei Streichquartette und ein kleines Streichorchester, als h\u00e4tte jeder Ehepartner ein kleines Hausmusik-Ensemble auf dem Nachttisch. Spricht der Gatte aber von \u00bbReinheit und Wahrheit\u00ab, macht die Begleitung aus seiner eigent\u00fcmlichen Liebesphilosophie eine Wagner-Parodie.<\/p>\n\n\n\n<p>Philippe Boesmans betonte in einem Interview, dass seine Oper nur \u00fcber seine Inspirationsquelle, den Text funktioniert. Feingliedrig interpretiert und kommentiert seine Musik \u00e4u\u00dferungen und Reaktionen. Aber sie ist vor allem auch Theatermusik, die aus der szenischen Situation entsteht oder sie zeichnet : Der Soldat pfeift Melodiefetzen eines Milit\u00e4rmarsches, beim jungen Herrn scheint jemand an der T\u00fcr zu klingeln (\u00bbVielleicht ist es Doktor Sch\u00fcller gewesen?\u00ab), vor dem Fenster von Dichter und S\u00e4ngerin zirpen die Grillen. Die Party, bei der sich Soldat und Stubenm\u00e4dchen kennenlernen, wird durch \u00bbbratwurstfette\u00ab Tanzmusik dargestellt, die w\u00e4hrend des Spaziergangs der beiden bald in der Ferne verschwindet und erst dann wieder aufschimmert, wenn der Soldat erneut tanzen geht. Boesmans Musik ist eine nerv\u00f6se Musik voller Gegens\u00e4tze: Expressivit\u00e4t und Schroffheit treffen aufeinander, kontrastierende Kl\u00e4nge und Spielweisen stehen unvermittelt nebeneinander.<\/p>\n\n\n\n<h3>Schade, dass du nichts anderes bist<\/h3>\n\n\n\n<p>Das alles erinnert auch musikalisch an die Welt von Schnitzlers&nbsp;<em>Reigen<\/em>: an die Musik der Wiener Schule und an ihre \u00bbKlangfarbenmelodie\u00ab, und ganz besonders an Alban Berg, auch wenn Boesmans sich jeder strengen Form verweigert. Aber Boesmans Hommage nimmt mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit auch j\u00fcngere Einfl\u00fcsse auf und wird so zu einer zeitlosen Theatermusik. Mit dieser Musik erweisen sich auch Schnitzlers Charaktere jenseits aller zeitbedingten Pr\u00fcderie als heutige Personen. Gewiss, manche Konvention und manche Scham erscheint heute \u00fcberwunden, nicht verschwunden ist jedoch die Diskrepanz zwischen sexuellen W\u00fcnschen und Realit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute sind viele sexuelle Spielarten akzeptiert, Informationen und Pornographie sind einfach zu bekommen, und die Aufnahme unverbindlicher Sexualkontakte wird \u00fcber soziale Netzwerke wie \u00bbTinder\u00ab vereinfacht. Zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnen die eigene Festlegung aber auch erschweren. In einem Experiment konnten sich nur 3% der Eink\u00e4ufer f\u00fcr eine Marmeladensorte entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen 24 Sorten hatten. Bei nur sechs Sorten trafen 30% der Eink\u00e4ufer eine Wahl. Ein einleuchtender Vergleich, nicht wahr? Aber wie weit sind wir gekommen, wenn wir die Begegnung mit anderen Menschen so selbstverst\u00e4ndlich mit der Wahl eines Produkts vergleichen? Wer so denkt, muss sein Gegen\u00fcber anl\u00fcgen, wenn er von der Einzigartigkeit der Begegnung spricht. Vielleicht gibt es deswegen zunehmend Gegenbewegungen von religi\u00f6sen Gruppen, von asexuell empfindenden Menschen und die meist verschwiegene ganz allt\u00e4gliche Lustlosigkeit. \u00bbPornopr\u00fcde \u00ab nennt die Regisseurin unsere Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so erwachen wir gemeinsam mit dem Grafen: verwirrt, verkatert, verloren. Szenen, Requisiten und Musik haben sich angeh\u00e4uft und erscheinen austauschbar. Der Reigen hat sich geschlossen, ohne dass es zu einer wirklichen Begegnung gekommen w\u00e4re. Wir trafen zehn kontaktgest\u00f6rte Personen, die geliebt werden wollen, die aber nicht in der Lage sind, selbst zu lieben. Wir erlebten zehn Rendezvous, in denen sich mindestens einer der beiden einen anderen Partner oder andere Umst\u00e4nde w\u00fcnschte: \u00bbSchade, dass du nichts anderes bist.\u00ab Aber am Ende steht der Graf auf und verl\u00e4sst das einsame Schlafzimmer. \u00bbDas Leben geht weiter\u00ab, schrieb Philippe Boesmans unter die Partitur.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>\u00a9 <a href=\"http:\/\/www.acmecke.de\">Ann-Christine Mecke<\/a> 2016 | erschienen im Programmheft der Oper Stuttgart zu <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Reigen (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.staatsoper-stuttgart.de\/spielplan\/a-z\/boesmans-reigen\/\" target=\"_blank\"><em>Reigen<\/em><\/a>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beitragsbild: Andr\u00e8 Morsch (Graf),  Michael Shapira (Mann im Video), Foto: <a href=\"https:\/\/www.atschaefer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"A. T. Schaefer (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">A. T. Schaefer<\/a>. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Philippe Boesmans \u201eReigen\u201c in der Inszenierung von Nicola H\u00fcmpel Das Ende Am Ende erwachen wir gemeinsam mit dem Grafen: verwirrt, verkatert, verloren. 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