Mit Wiedehopf

Zu einem sensationellen Fund kam es vor kurzem auf einem Dachboden in Eutritzsch. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kriegsgetümmel und Schlachtengemälde entdeckten die Sinfonische Dichtung »Der Völker Schlacht« des Leipziger Komponisten Johann Arnold Battala. Das monumentale Werk ist nicht nur singulär in seiner Orchestrierung, sondern dürfte auch die einzige Tondichtung sein, die ein historisches Ereignis quasi in Echtzeit darstellt – jeder der vier Teile soll nach Wunsch des Komponisten »vom Sonnenaufgange bis zum Sonnenuntergange« dauern.

Für die Aufführung werden nicht weniger als neun Orchester benötigt, die jeweils durch Militärinstrumente wie Große Trommel, Schellenbaum, Pistolen und Kanonen verstärkt sind. Zusätzlich kommen folkloristische Instrumente und Chöre zum Einsatz. So untermalt ein Donkosakenchor Angriffe der russischen Kämpfer, Alphörner die der Österreicher. Im dritten Teil wird der Einstieg der schwedischen Truppe in die Kampfhandlungen durch den Einsatz von zwölf schwedischen Schlüsselgeigen markiert, die das Volkslied »Ack Värmeland, du sköna« intonieren.

Ein weiteres wichtiges Element der Komposition sind Bewegungen der Klangkörper: Im dritten Teil wird das Publikum gemeinsam mit dem französischen Orchester von den anderen Ensembles eingekreist. Wind- und Nebelmaschinen sorgen für Dramatik. Daneben gibt es jedoch auch ruhige Sätze wie »Wiederitzscher Morgenstimmung mit Wiedehopf« oder »Connewitzer Totenklage bei Pulverrauche«. Die Künstler haben während der Aufführung übrigens durchaus Gelegenheit zur Erfrischung: Längere Pausen der einzelnen Orchester sind in der Partitur mit Angaben wie »Verpflegungsausgabe bei den Preußen« gekennzeichnet. Der Vorsitzende des Battala-Vereins äußerte sich enttäuscht darüber, dass sich trotz dieser Umsicht des Komponisten bisher noch kein Veranstalter für die späte Uraufführung des Werks gefunden habe.


© Ann-Christine Mecke 2013 | erschienen im Gewandhausmagazin 80 (September 2013)

Beitragsbild: Gert Mothes

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