Kategorie: Kolumne

Konferenzkonzert

Bei den ersten pandemiebedingten Internet-Konzerten ohne Saalpublikum vermissten die Künstlerinnen und Künstler die Rückmeldung des Publikums. Immerhin: Beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker konnten ausgewählte Zuhörer in ihre Handys applaudieren, das wurde in den Saal übertragen, und die Musiker spürten, dass ihnen tatsächlich viele zuhörten. Aber nur am Schluss, als alles vorbei war. Was wird die Zukunft bringen, die durchgehende Übertragung der Publikumsreaktionen während des Konzerts? So einfach ist es nicht

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Sauerstoffmangel

Historisch informierte Aufführungspraxis beschränkt sich nicht mehr auf Darmsaiten und Verzierungstechniken. Inzwischen gilt es, dem Konzerterlebnis der Uraufführung in jeder Hinsicht so nahe wie möglich zu kommen. Die Beleuchtung ist dabei ein entscheidender Faktor. Thomas Alva, Inhaber von »HILD – Historisch informiertes Lightdesign«, erzählt uns die Geschichte seiner Firma:

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Schnutenschutz

Überall suchen die Programmverantwortlichen von Kulturinstitutionen nach Werken, deren Aufführung mit den geltenden Hygieneregeln vereinbar ist: Solosonaten, Kammeropern und Ein-Personen-Tanzstücke werden dem Vergessen entrissen oder neu erfunden und einem kleinen, aber dankbaren Publikum präsentiert. Erfreulicherweise hat sich das geeignete Repertoire nun durch einen Fund im Archiv der Stadtbibliothek Lüttmoor in Ostfriesland deutlich vergrößert.

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Beethovens hässliche kleine Schwester

Die Wissenschaft war bisher davon ausgegangen, dass nur zwei Brüder Ludwig van Beethovens das Kleinkindalter überlebten. Doch nun konnte eine Musikwissenschaftlerin nachweisen, dass Beethovens »hässliche kleine Schwester« Josepha »Josi« Eleonore van Beethoven (1772–1829) nicht nur existierte, sondern von großer Bedeutung für den Komponisten war. Leider ist von ihr nur wenig überliefert: Sie zerstörte gegen Ende ihres Lebens sämtliche ihrer Kompositionen und viele Dokumente in einem Anfall von Selbsthass.

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Schatzsuche

»Also eher sandiger Boden. Alles klar, wir sind gleich da!« – Heiko Gruber legte auf und strahlte. Er liebte die Unberechenbarkeit seines Berufs. Manchmal saßen sie wochenlang an ihren Schreibtischen, säuberten Sonatenscherben und Sinfoniegerippe, sortierten sie nach Tonarten und glichen die Datenbanken ab. Und dann gab es plötzlich eine Notgrabung und alles musste sehr schnell gehen: Grabungsfeld abstecken, vorsichtig die Musik freilegen und alles sauber katalogisieren.

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Schön neutral

Wir sprechen nun mit Kathleen Dämpfer, der ersten städtischen Straßenmusikkuratorin Deutschlands. Frau Dämpfer, was ist Ihre Aufgabe als Kuratorin?

Ich kümmere mich darum, dass wir eine ausgewogene Straßenmusiklandschaft haben. Früher konnten Sie in der Fußgängerzone vier Panflötengruppen hintereinander antreffen, die womöglich auch noch die gleichen Lieder gespielt haben. Um das zu vermeiden, lasse ich mir von allen interessierten Musikern Besetzungs- und Repertoirelisten schicken. Daraus kuratiere ich dann die Gruppen, mit denen wir eine Partnerschaft eingehen.

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Landschaften

Als August Kleinparis eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einer ungeheuren Festivallandschaft verwandelt. Er lag auf einem buchdeckelharten Rücken und konnte den von Dokumentarfilmrollen umkränzten Kopf nur mit Mühe anheben. Hörspiele und Jazzmusik dröhnten in seinen Ohren, und er ächzte unter der Last eines gewaltigen Bachfest-Bauches. Statt Arme flimmerten zwei unsichere Biennalen hilflos vor seinen Augen. Blühende Landschaften fand August in seinem Bauchnabel vor: Das musste die Freie Szene sein. Lautstark forderte sie mehr Platz.

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