Hilfe, mein Orchester korkt!

Beschreibungen wie »ein Orchester mit butterweichem Klang« oder »unparfümiertes, durchsichtiges Spiel« können auf Anfänger verwirrend wirken. Wir möchten Ihnen deshalb eine kleine Einführung in die gehobene Klangwelt präsentieren und Sie für Qualitätsorchester  begeistern.

Eine erste Orientierung für den akustischen Eindruck eines Orchesters bietet seine Herkunft. Für Europa gilt beispielsweise die Faustregel: Je östlicher die Herkunft, desto weicher und fülliger der Klang. Weiter im Westen angebaute Orchester zeichnen sich durch Schlankheit und Transparenz aus. Dabei können Bodenbeschaffenheit und Sonnenstunden zu regionalen Unterschieden führen. Entgegen landläufiger Meinung markieren die Kennbuchstaben keine Güteklasse. A-, B- und C-Orchester zeichnen sich vielmehr durch einen bestimmten Gesamtgeigengehalt aus. Die Qualität wird mit Hilfe von Gütesiegeln wie Prädikatsorchester oder Q. b. A. (Qualitätsorchester bestimmter Arbeitsgebiete) angegeben. So müssen mindestens 40 Prozent der Mitglieder eines Orchesters mit QbA-Siegel an der örtlichen Hochschule ausgebildet worden sein. Ein Prädikatsorchester darf darüber hinaus nicht mehr als acht Prozent freiberufliche Musiker und Praktikanten einsetzen.

Weitere Klassifizierungen verraten Sitzordnung, Instrumentenpreise und Durchschnittsalter des Orchesters. Klangkörper, die mindestens zwei Jahre in einem Eichenholzkonzertsaal gelagert wurden, haben akustische Merkmale des Saals angenommen und dürfen sich »Barrique-Orchester« nennen. Die Zeit zwischen Grundsteinlegung und Fertigstellung des
Konzerthauses zählt dabei nicht, und die Einbringung von Eichenholzspänen in die Instrumentenkoffer ist nicht erlaubt.

Aber klingt Ihr Lieblingsorchester nun nach samtigen Lakritznoten, oder hat es eher herbe Tabakanklänge? Wer lernen möchte, die verschiedenen Klangkomponenten sicher in Worte zu fassen, ist herzlich zu unserem Seminar mit anschließender Klangverkostung eingeladen.


© Ann-Christine Mecke 2013 | erschienen im Gewandhausmagazin 79 (Juni 2018)

Beitragsbild: Gert Mothes

Schreibe einen Kommentar