Exklusiv

Ich begrüße nun Nikolas Bock vom Sustainability Centre des Pharmakonzerns Rolertis. Herr Bock, welche Strategie verfolgen Sie bei der Auswahl Ihrer Kulturpartner?

Wissen Sie, als siebter Hauptsponsor der Salzburger Festspiele müssten wir enorme Summen investieren und gingen trotzdem unter. Wir haben uns deshalb für einen anderen Weg entschieden. Ein Prinzip lautet: Sponsern, was sonst keiner sponsert.

Also fördern Sie Nachwuchsorchester und Jugendprogramme?

Nein, damit fallen Sie heute nicht mehr auf. Spielmannszüge oder Triola-Orchester – das macht sonst keiner! Und in Paderborn haben sich nach dem Vorbild der »12 Cellisten« die 24 Piccoloflötisten gegründet. Klasse Sachen machen die, aber keiner wollte sie sponsern. Eine Hörgerätefirma nannte die Gruppe sogar geschäftsschädigend! Da sind wir gefragt.

Gibt es noch ein weiteres Prinzip?

Das haben wir von einem Sportartikelhersteller übernommen: Sponsern, was es gar nicht gibt. Die Sportfirma unterstützt zum Beispiel die Nationalmannschaft von Tibet. Dabei gibt es weder den Staat Tibet noch eine Nationalmannschaft. Toll, oder? Wir sponsern nun das Adipositas-Staatsballett in Hamburg.

Das gibt es doch wirklich nicht.

Eben! Aber am Geld liegt es nicht, und das ist uns wichtig. Bei Beethovens Zehnter ist uns leider ein süddeutscher Autohersteller zuvorgekommen. Wenn wir nicht Exklusivsponsor sind, machen wir es nicht.

Vor kurzem ging durch die Presse, Rolertis wolle die Uraufführung der Schütz-Oper »Dafne« finanzieren.

Wir haben uns verpflichtet, das Geld sofort bereitzustellen, wenn die Partitur wieder auftaucht. Bis dahin können wir es noch in unser Unternehmen investieren. Schließlich kommt es auch den  Kulturschaffenden zugute, wenn wir die Mittel noch vermehren, bis sie gebraucht werden.


© Ann-Christine Mecke 2012 | erschienen im Gewandhausmagazin 76 (September 2012)

Beitragsbild: Gert Mothes

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